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Bio

Ich bin Zofia nierodzińska, wurde 1985 in Łomża, einer mittelgroßen Stadt in der Region Podlasie im Osten Polens, geboren und bin das zweite oder dritte Kind meiner Mutter. Ich habe eine Zwillingsschwester, wobei unklar ist, welche von uns zuerst geboren wurde. Im Frühjahr 1985 war Polen noch ein sozialistisches Land. Niemand hätte vorhersagen können, dass das kommunistische System in vier Jahren zusammenbrechen und wir unsere Lebensrealitäten in rapider Geschwindigkeit an die Regeln des Kapitalismus anpassen müssten.

Zwischen 2000 und 2005 besuchte ich ein Kunstgymnasium in Nałęczów. Anschließend studierte ich Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Posen. Ich malte vor allem Figuren von jungen Menschen, deren Geschlecht nicht eindeutig definiert war. Ich las Judith Butlers „Gender Trouble …“, das gerade von Krytyka Polityczna ins Polnische übersetzt worden war, und versuchte, meine Situation als Frauenperson in einer streng katholischen, turbokapitalistischen, postsozialistischen Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu verstehen.

Nach meinem Abschluss an der Kunstakademie in Posen, dem Ende einer vierjährigen Beziehung und dem Gewinn eines Preises bei einem Wettbewerb für „junge polnische Künstler_innen“ zog ich nach Berlin. Ich studierte, feierte und versuchte zu überleben. Ich lernte Deutsch und wurde in den Masterstudiengang „Art in Context“ an der Universität der Künste Berlin aufgenommen. Diesen schloss ich 2016 mit der Abschlussarbeit „Materialität der Arbeit, eine Assemblage, ein Ziegelstein, ein Stück Kuchen“ ab. Darin verglich und kontrastierte ich die Arbeit, die ich in einer Konditorei für Geld verrichtete, mit der Arbeit, die ich aus symbolischen Gründen an der Universität der Künste leistete und für die ich statt Geld Leistungspunkte erhielt. Zuvor arbeitete ich auf einem „Spargelhof“ in der Nähe von Berlin und untersuchte dort die Arbeitsbedingungen polnischer Migrant_innen. Daraus entstand ein Projekt und eine Animation mit dem Titel „SEZON“.

Als Mitglied des Kollektivs Auntie Basia (Ciocia Basia) engagierte ich mich für reproduktive Gerechtigkeit und arbeitete an einer Doktorarbeit mit dem Titel „Where is the Academy? Critical Institution and Science Fiction, Towards the Virtual Feminist University“, die ich 2017 an der Kunstuniversität in Poznan abschloss.

Gerade als ich dachte, mein Leben würde für immer mit Neukölln in Berlin verbunden sein, bekam ich eine Stelle als Kuratorin und stellvertretende Direktorin der Städtischen Galerie Arsenal in Poznan. Während meiner fünfeinhalb Jahre in der Galerie kuratierte ich sieben Ausstellungen und zahlreiche Veranstaltungen. Zudem war ich Mitherausgeberin von drei Büchern sowie einer Plattform für Kunst und Aktivismus namens „Magazyn RTV“. Ich engagierte mich weiterhin für die reproduktive Gerechtigkeit. Nach dem Frauenstreik im Jahr 2020 war ich Repressionen durch die Kirche und den polnischen Staat ausgesetzt. Im Juni 2022 zog ich zurück nach Berlin. Hier gründete ich meine Familie und lebe seitdem mit meinem Mann Max, unserem Baby Antek und Hündin Lajka zusammen.

Im Jahr 2022 erhielt ich ein Forschungsstipendium der Senatsverwaltung für Kultur und Europa für die Publikation „Politiken der (Un)Zugänglichkeit“ und 2023 ein Forschungsstipendium des Goethe-Instituts für einen einmonatigen Aufenthalt im Igor-Zabel-Archiv in Ljubljana.

Zwischen Januar und Juni 2023 arbeitete ich als Co-Redakteurin des Theatertreffen-Blogs und Kuratorin des Programms für junge Kulturkritiker_innen. Darüber hinaus wurde ich zu Forschungsaufenthalten eingeladen: von Insha Osvita nach Kyiv, von Sláturhúsið Art Center nach Egilsstaðir in Island, vom Sikås Art Center nach Schweden und im September 2025 zu einer Residenz in der Temporary Gallery in Köln.
Die Publikation Politiken der (Un)Zugänglichkeit über den Diskurs rund um Behinderungen in Mittel- und Osteuropa ist im Oktober 2023 erschienen.
Zwischen 2023 und 2024 habe ich gemeinsam mit Katharina Koch und Sylvia Sadzinski an dem Residenzprojekt „Geographies of Collectivity. Artistic Infrastructures in Times of Crises: Berlin-Vienna-Graz-Minsk-Kharkiv-Pristina“ in der alpha nova & galerie Futura in Berlin gearbeitet. Zudem kuratierte ich, zusammen mit Stephan Koal, die Ausstellung „Fernbeziehungen (Long-distance Relationships)” über Migration und ihre persönlichen Auswirkungen im KVOST in Berlin und in der Galeria Łęctwo in Poznan (zusammen mit Gabi Skrzypczak). Im Jahr 2025 realisierte ich in Kooperation mit dem Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin und der Galeria WY in Łódź das Projekt „Borderlands/KRES“.

Als Malerin nahm ich an folgenden Ausstellungen teil:

  • „Far Away From Here“ in der Galeria WY in Łódź,
  • „Fernbeziehungen (Long-distance Relationships)“ im KVOST,
  • „Wiosna/VOR, Migration in Life“ im Sláturhúsið Art Center in Egilsstaðir, Island,
  • „Borderlands/KRES“ in der Galeria WY in Łódź.

Seit März 2024 unterrichte ich als Dozentin und seit Oktober 2025 als Assistenzprofessorin an der Kunstakademie in Szczecin, an der Fakultät: Kuratorische Studien und Ausstellungswesen. Im September 2025 war ich als Gastkuratorin zur ACE Curatorial Lessons nach Graz eingeladen.

Ich bin Mitglied bei AICA, n-ost und BBK Berlin.

Porträtfoto von Zofia nierodzińska, von den Schultern aufwärts, in einem schwarzen T-Shirt, mit blonden langen Haaren, vor einem hellrosa Hintergrund. Foto: Katarzyna Wąsowska