STRIKE! 03.10, Berlin, Warsaw, Poznan, Paris, New York…

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Der ganze Artikel in: https://missy-magazine.de/

Mein Körper meine Wahl.

Am Montag 3. Oktober haben Polens Frauen gestreikt; dieser Tag des Frauenstreiks ist als ‘Schwarzer Montag’ bekannt geworden, und fand unter dem gleichnamigen hashtag im Netz weitreichende Verbreitung. Der Streik wurde als eine Form des gemeinsamen passiven Widerstands geplant, was im Konkreten hieß, dass die polnischen Frauen das Erfüllen ihrer tagtäglichen Aufgaben ein Tag lang verweigern: Sie gehen nicht zur Arbeit, zur Universität oder in die Schule, sie legen Haushaltspflichten bis Dienstag nieder und fahren Auto ausschließlich zum Ort der Demonstration. Initiiert wurde der eintägige Frauenstreik von der bekannten polnischen Schauspielerin Krystyna Janda. Auf ihre Facebook-Fanpage rief sie zu einem bundesweiten Protest aller Frauen auf und bezog sich damit auf den isländischen Streik von 1975. Damals kam es auf Island zu einem folgenreichen Frauenstreik: fast alle isländische Frauen nahmen an diesem teil, protestierten für Gleichberechtigung und legten so das ganze Land lahm.

Grund für die derzeitigen Unruhe in Polen ist das Ergebnis der am 23.09 im Parlament stattgefunden Abstimmung über zwei Petitionen zur Veränderung des Abtreibungsgesetzes. Diese Abstimmung zeigte einmal mehr welchen immensen Einfluss die konservative Regierung auf die Gesellschaft auszuüben vermag. Bei den zwei Gesetzesvorschlägen welche der Regierung vorgelegt wurden, handelt es sich einerseits um einen Vorschlag zur Liberalisierung des aktuellen restriktiven Gesetzes von der Bürgerinitiative ‘Ratujmy Kobiety’ (Rettet die Frauen) und andererseits um einen Entwurf der ein absolutes Abtreibungsverbot, das heißt auch im Fall einer Vergewaltigung vorsieht, von der Bürgerinitiative ‘Stop aborcji’ (Stopp Abtreibung). Trotz der 150.000 gesammelten Unterschriften wurde ersterer sofort abgelehnt, der zweite hingegen wurde nach der ersten Lesung zu einer weiteren parlamentarischen Debatte zugelassen.

(….)

 

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Als Repräsentantin von Ciocia Basia in Berlin wurde ich zum Protest am 3. Oktober nach Poznan eingeladen. Die Demonstration auf dem Adam Mickiewicz Platz wurde hier von lokalen Aktivist*innen von W naszej sprawie (In unserem Interesse)  organisiert und von anderen Organisationen, wie beispielsweise Ratujmy Kobiety, Dziewuchy Dziewuchom (Mädels für Mädels) und Konsola unterstützt. Um 14 Uhr soll es losgehen, es regnet in Strömen. Auf der Straße sehe ich viele Schwarz gekleidete Frauen, auch hier in dem Laden, wo ich einen schwarzen Kaffee bestelle. Die Frau hinter der Theke bereitet gerade etwas zum Essen vor, ihr männlicher Kollege erklärt mir, dass sie eigentlich nicht arbeitet und nur für sich selbst ein Brot für den Protest macht. Beide tragen Schwarz. Alles hat heute eine politische Bedeutung, alles ist ernst, entweder arbeitet man und trägt helle Klamotten, oder man verweigert dies und zieht dunkle Kleidung an, man ist entweder für oder gegen die Verschärfung des Abtreibungsgesetzes, schwarz oder weiß. Graue Töne sieht man heute eigentlich kaum.

(….)

 

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Am nächsten Tag sehe ich die Fotos, die  Bekannte in Warschau, Wroclaw, Krakow, Berlin, New York, Dublin, London und an anderen Orten der Welt gemacht haben, jemand aus Kenia hat ein Solidaritätsvideo gepostet. Es ist bestätigt, erlebt und dokumentiert worden: am Montag sind tausende Frauen auf die Straßen gegangen um ihre Solidarität und ihre Wut auf die Arroganz der polnischen Regierung zu bekunden. Die Lage ist ernst, der Streik ein Warnsignal für die Regierenden: Es wäre für sie besser, wenn sie diesmal zuhören würden.

05.10
Heute um 18:20 Uhr wies das polnische Parlament den barbarischen Abtreibungsgesetz-Vorschlag der Bürgerinitiative ‘Stop aborcji’ zurück. Die Information über die Debatte wurde drei Stunden vor dem Beginn der Sitzung mitgeteilt. Um die gleiche Zeit fand auch eine Debatte über die Reproduktionsrechte in Polen im Europäischen Parlament statt.
Polnische Frauen haben ihre Stärke gespürt, sie werden ihre Regenschirme nicht niederlegen!
(Danke an Lisa Schwalb und Thomas Thomas Lindenberg für die Korrektur des Textes)

 

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#SCHWARZERMONTAG / #BLACKMONDAY

 

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