What does the artist do during a protest?

Standard

Carrying posters

shooting films

telling stories

taking photos

observing

being

shouting

keeping quiet

being a part of

being alone

waiting

provoking

feeling uneasy

I heard about the protest from Thomas. After finishing work in the gallery I grabbed my camera, took the U7 to Yorckstraße, the S2 to Potsdamer Platz and joined the demonstration. Bogdan was there, Droma Bogdan, one of the workers from Romania who had been fighting for his rights for the past three weeks in front of the biggest shopping mall in Europe. He built it. And was than cheated by the building company Fettchenhauer C. L. He did not receive money for his work. For the past three weeks he had been living on the street.

Bogdan speaks English. He told me about creating a movement of workers that should start as an online platform, where the exploited workers could log in and share their experiences. It would create a network and possibility to meet in the reality to protest against those in power.

I liked the idea, but I did not know how to bring it to life . I made a website with Aro, which worked as an online archive of the protest.

Bogdan was disappointed. http://www.mallofshame.de

Als ich das erste mal Mall of Berlin besucht habe, habe ich viele ehrenhafte Schriften, die auf den goldenen Platten auf dem Boden graviert wurden, gesehen:

Völker der Welt – schaut auf Berlin, wo eine Mauer fiel, ein Kontinent sich vereinigte und der Lauf der Geschichte bewies, dass keine Herausforderung zu groß ist für eine Welt, die zusammensteht.

Barack Obama

Wir haben am 9. November 1989 das Unmögliche als möglich erlebt. Es ist eine wunderbare Erfahrung, dass Mauern eingerissen werden können.

Angela Merkel

Wer lachen kann, dort wo er hätte heulen können, bekommt wieder Lust zum Leben.

Werner Finck

Droma Bogdan ist ein junger Mann, ende 20, hat dunkle Haar und ein freundliches rundliches Gesicht. Als wir uns kennengelernt haben, hatte er eine graue Kapuzen-bluse und eine leather Jacke an. Bogdan ist einer leidenschaftliche Redner. Er ist einer von 30 Rumänischen Arbeiter, die beim Aufbau der Mall of Berlin gearbeitet haben. In Rumänien hat Bogdan nach eigenen Angaben Schmuck gefertigt und verkauft. Momentan ist das Geschäft nicht mehr so profitabel, aufgrund der billigeren Konkurrenz aus China, die den Markt übernommen hat. Bogdan hat sich entschieden in Berlin sein Glück zu suchen. Er hatte sich gewünscht, in einem Monat das dreifache, was man in Rumäninnen bekommen kann, zu verdienen. Ein Kollege hat ihn über eine Arbeit in Deutschland erzählt. Sie sind zusammen hierher gekommen. Anfangs hat alles ganz gut ausgesehen, eine grosse Baustelle, internationale Fachkräfte, Berlin. Bogdan und seine Kollegen haben aber keinen Vertrag unterschrieben, trotz Forderungen. Sie haben alle (14 Männer) in einer Wohnung zusammen geschlafen mit einem Badezimmer für alle, sie müssten 1200 Euro dafür bezahlen, für viele war es zu viel, sie sind in einem Container auf der Baustelle umgezogen. Da sie nach zwei Monaten Arbeit immer noch kein Geld bekommen haben, mussten sie auf der Straße übernachten. Sie sind nicht mehr zur Arbeit gegangen, sie haben angefangen zu protestieren. Ihr Arbeitgeber, die Firma Fettschenhauer CL hat inzwischen Insolvenz angemeldet und den Bauarbeitern nur einen geringen Teil ihres Lohnes bezahlt.

Jetzt kann man Bogdan und seine verbliebenen sieben Kollegen von dem größten Shopping Center Europas treffen. Sie protestieren seit zwei ein halb Monate für ihre Rechte, sie bekommen mittlerweile eine Unterstützung von FAU (Freie Arbeiter Union).

Ich habe über den Protest der Arbeiter von Thomas gehört, nach der Arbeit bin ich zum Potsdamer Platz gefahren, hatte meine Kamera dabei.Ich habe beim Verteilen der Flyer geholfen.Am nächsten Tag war ich wieder da, ich habe mit Bogdan gesprochen und ein Interview mit ihm aufgenommen. Ich administriere die Webseite des Protestes, die als ein Onlinearchiv konzipiert wurde. http://www.mallofshame.de

 

Die Filmaufnahme, die ich in der Mall of Berlin gemacht habe, könnte „Die Konsumenten verlassen das Einkaufszentrum“ heissen. Als nächstes würde ein Bild mit dem zerstörten, leeren Mall Gebäude auftauchen, wie in einem Traum eines linken Aktivisten.

Es ist aber nicht so.

Die Menschen kommen und gehen in beide Richtungen, sie sehen ganz zufrieden aus, normal. Wissen sie, dass das Zentrum auf der „Ausbeutung gebaut wurde“?

Wahrscheinlich haben sie es gehört, trotzdem gehen sie hin. Vielleicht haben sie auch andere Sünden auf den Herzen, wie Neigung zum Egoismus, Faulheit, Wollust Überheblichkeit, Habsucht, Masslosigkeit, keine Interesse in Kunst, Konformismus, usw.

Bogdan ist immer noch in Berlin, sein Bruder auch, sie wohnen in der Wohnung von Alinka, eine Aktivistin, die sich schon seit Jahren für die Rechte der ArbeiterInnen engagiert, sie ist auch selbst aus der Arbeiterklasse. Sie haben bis Jetzt erreicht, dass die zwei Rumänischen Arbeiter (Nico und Niculae) schon am Gericht waren und offiziell das Recht bekommen haben, keinem wurde aber noch sein Geld bezahlt. Sie warten darauf, manche in Berlin, manche in den anderen Städten Europa, wo sie gerade eine neue Arbeit gefunden haben.

FAU organisiert noch ab und zu Demonstrationen vor dem Mall of Berlin, zu welchen immer viele Menschen kommen.

 

Bildschirmfoto 2015-12-17 um 11.11.43

 

Warum wissen wir, dass das Foto was wichtiges dokumentiert?

1. Fast alle (außer einem) technologische und physikalische Blicke in einer Richtung schauen.

2. Das Bett ist der hellste Punkt auf dem Foto.

3. Das Foto hat eine zentrale Komposition, was mir persönlich an einem Altar erinnert.

 

Das Bett ist ein ungewöhnlicher Ort zum Protestieren.

Schlafen und sitzen kann man als eine Protestform betrachten nur in bestimmten Kontexten, in einer Kirche, Galerie, im öffentlicher Raum, aber im privaten Raum, wie hier, eine Dokumentation ist erforderlich um ein Protest mit einem „normalen“ Leben nicht zu verwechseln.

 

Zwei Stunden später am gleichen Ort:

 

Bildschirmfoto 2015-12-17 um 11.14.43

                                Gerry Deiter from the book:  „Give Peace a Chance: John and Yoko´s Bed-in for Peace“

 

(…)

Artists studio

„Alle Welt kommt in mein Atelier, um sich malen zu lassen. Rechts die Teilhabenden, das heißt die Freunde, Mitarbeiter und Liebhaber der Welt der Kunst. Links dagegen die andere Hälfte der Welt, das alltägliche Leben, das Elend, die Armut, der Reichtum, die Ausgebeuteten, die Ausbeuter, die Menschen, die vom Tode leben”.

(Gustave Courbet, http://www.musee-orsay.fr)

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Gustave Courbet, „Künstlers Studio“, 1855

 

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FAU, Protest vom Mall of Berlin, Dezember 2014

Die ganze Welt, wie er selbst sagte, hat Courbet in seinem Studio porträtiert.

Ich habe das Bild des französischen Maler mit dem Foto des Protests vom Mall of Berlin verglichen. Ich bin auf dem Rand des Fotos mit einer Kamera zum Sehen.

Die Welt ist in Courbets Atelier gekommen um sich malen zu lassen, ich bin zum Protest gekommen um ein Teil des Geschehens zu werden.

Der Platz des Künstlers bleibt auf dem Foto leer, ich bin aber auch nicht ganz mit den Arbeitern verschmolzen, meine Kamera ist an, die leuchtet in der Dunkelheit. Ich bin eine Teilnehmerin und Beobachterin des Protestes. Meine Anwesenheit ist mit keiner starken Position verbunden, sie kann immer verändert werden, ich muss sie ständig verhandeln.

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